Wangerooge – Eindrücke Teil 3

Als ich heute wach geworden bin, habe ich erstmal den Regen auf das Fenster trommeln gehört. Nicht unbedingt ein guter Start, aber da ich heute vormittag sowieso einen Schlechtwetter Programmpunkt auf der Liste hatte, war das erstmal kein Problem.

Ich habe heute eine Bunkerführung gemacht im Lazarettbunker von Wangerooge. Dieser Bunker ist einer von dreien, die noch intakt sind. Im Lazarettbunker wurden, wie der Name schon sagt, Kranke operiert und versorgt. Der Eingang ist ziemlich versteckt und wenn man am Treffpunkt für die Führung steht, ahnt man nicht, dass sich hinter den Bäumen ein Bunker versteckt.
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Der Bunker wurde erst kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges gebaut. Nach ca. 3 Monaten Vorbereitungszeit wurde er an einem Tag gegossen mit ca. 22000 Säcken Zement. Die Decke und wände des Bunkers sind über 2m dick. (wenn ich Zahlen noch richtig im Kopf habe).

Ich habe viele interessante Dinge aus der Geschichte Wangerooges erfahren. Besonders spannend war, dass unser Guide, der schon 85 Jahre alt war, alles mit erlebt hat und so aus eigener Erfahrung berichten konnte.
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Ich habe viel neues erfahren, von dem ich mir leider nicht alles merken konnte, weil es in den 90 Minuten Führung schon einiges an Infos gab. Ein paar Dinge weiß ich aber noch:

  • in dem Bunker haben ca. 10 Ärzte gearbeitet
  • über dem Kriegerdenkmal (wo wir gestern waren) steht auf einem Hügel ein Kreuz und unter diesem Kreuz war auch ein Bunker
  • im besagten Bunker unter dem Kreuz war das strategische Kontrollzentrum
  • im Bunker sind es das ganze Jahr über 15 Grad
  • irgendwann im Krieg sind mehrere tausend Bomben ohne Vorwarnung auf Wangerooge abgeworfen worden, weil die Leute, die im Kontrollbunker saßen so erschrocken waren, als sie die Flugzeuge auf dem Radar gesehen haben, sodass sie die Einwohner nicht gewarnt haben
  • im Kontrollbunker saßen nur alte Männer, die nicht mehr eingezogen werden konnten und junge Frauen als Hilfskräfte
  • die Bombenflugzeuge sind erst an Wangerooge vorbei geflogen, haben dann aber plötzlich den Kurs geändert und sind auf frontal auf Wangerooge zugeflogen
  • da die Decke im Kontrollbunker nur ca. 20cm dick war, hat dieser beim Bombenabwurf nicht stand gehalten und die Menschen darin starben
  • insgesamt starben bei dem Angriff etwas über 300 Menschen

Es war jedenfalls sehr informativ und mal ein anderes Kapitel der Insel.

Als ich dann den Bunker nach der Führung wieder verlassen hatte, waren plötzlich alle Wolken verschwunden und mich begrüßte ein strahlend blauer Himmel. Dies musste natürlich ausgenutzt werden und mein Dj und ich schwangen uns aufs Rad, um den Osten der Insel abzufahren. Auf dem Deich lässt es sich einfach prima fahren und die Sonne genießen.
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Nachdem wir den unteren Teil der Insel umrundet hatten, machten wir beim Café Neudeich halt, um Mittag zu essen (die Kartoffelrösti sind wirklich lecker). Das Café liegt etwas abseits vom Dorf, aber wenn man sich Richtung Osten begibt, kommt man eigentlich unweigerlich dran vorbei.
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Nachdem wir gesättigt waren, sind wir über die Düne und waren schon am Strand. Weil man dort nicht fahren darf, sind wir zu Fuß noch weiter Richtung Osten. An dem riesigen, ziemlich leeren Strand lagen haufenweise Muscheln, aber einen Schatz habe ich leider nicht gefunden. Dafür drei ominöse dunkle „Steine“, von denen eines ein Stück Kohle sein könnte. Was das andere ist, weiß ich nicht, aber sie sahen interessant aus.
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Von dem unteren Stück vermute ich, dass es Kohle sein könnte.

Nach meinem „Fund“ sind wir noch weiter und schließlich bei der Aussichtsdüne im Osten wieder auf die andere Seite der Dünenbefestigung. Von oben hatte man nochmal einen guten Blick auf die Nord- und Südseite der Insel.
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Rechts ist die Südseite, links die Nordseite. Der Blick geht also Richtung Osten 🙂

Schließlich sind wir wieder zurück gefahren, aber da es immer noch traumhaftes Wetter war (abgesehen von einem kurzen 5 Minuten Regen) haben wir unsere Drachen geschnappt und sind nochmal an den Stand. Der Wind stand gut und es war auch nicht zu windig. Deshalb habe ich es nun auch mal gewagt und meinen, von meinem Dj vererbt bekommenen, Drachen geflogen. Zugegeben, ich war nich mal annähernd so gut wie er und habe die ein oder andere Bruchlandung hingelegt (die natürlich komplett geplant und nicht aus Versehen war), aber mein Dj ist immer aufgesprungen, wenn ich meinen Drachen mal wieder unsanft auf den Boden gelenkt hatte, und hat ihn mir entwirrt und beim Start geholfen. Das fand ich total lieb von ihm 🙂
Als Beweis für meinen Drachenflug gibt es natürlich auch ein Foto:20121006-202103.jpg
Der weiße Punkt ist übrigens mein Kopf, auf dem ich eine weiße Mütze trage. Es ist zwar erst Oktober, aber bei Wind und kalten Temperaturen fühlt sich das Wetter schon mal arktisch an. Ich war jedenfalls froh, als ich heute Abend meine Finger wieder gespürt habe 😉

Alles in allem war es ein schöner Tag und bei der ganzen frischen Luft werde ich heute nacht gut schlafen.

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